Die Nationale Volksarmee = NVA

Am 18.01.1956, im selben Jahr wie die Bundeswehr, wurde die NVA durch die Volkskammer gegründet.

Die Planung und der Aufbau begannen bereits 1955 unter sowjetischer Führung.

Für den Aufbau griff man auf ehemalige Wehrmachtsangehörige zurück, die sich nach der russischen Gefangenschaft und einigen Antifa-Schulungen dazu bereit erklärten.

Bis 1961 war die NVA eine Freiwilligenarmee, ein Novum im Warschauer Pakt.

Nach dem Bau der Mauer wurde die Wehrpflicht eingeführt, ein Grund dafür war sicher auch, dass die DDR eine angestrebte Stärke von 170.000 Soldaten in der NVA zügig erreichen wollte.

Die Nationale Volksarmee gliederte sich wie folgt auf:

-       Kommando Landstreitkräfte ( Geltow bei Potsdam)

-       Kommando Luftstreitkräfte / Luftverteidigung ( Strausberg)

-       Kommando Volksmarine ( Rostock )

Bereits am 07.September 1964 gründete die NVA Baupioniereinheiten. Diese wurden unter anderen auf Drängen der Kirchen in der DDR eingeführt.

Jetzt gab es die Möglichkeit „Dienst ohne  Waffen“ zu tun.

Obwohl es in der DDR keine Wehrdienstverweigerer gab, sah man schon nach kürzerer Zeit den großen Bedarf an Soldaten, die in den Produktionen eingebunden waren. So wuchsen die Einheiten zu 8 Bataillonen. Diese wurden im Krankenhaus, als Gärtner oder Küchenhelfer eingesetzt. Oft wurden sie aber auch zum Bau militärischer Einrichtungen wie zum Beispiel Raketenabschussrampen verwendet.

Das allgemeine Wehrpflichtgesetz vom 24.01.1962 legte einen Grundwehrdienst von 18 Monaten fest.

Ab dem 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 26. Lebensjahr wurden die Wehrpflichtigen in die Armee eingezogen.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Männer in dem oben genannten Alter einberufen.

Man konnte auch eine Art Wehrersatzdienst leisten. Den Begriff Wehrdienst gab es mit dem Wehrdienstgesetz von 1982 nicht mehr. Solche "Wehrdienste" konnten bei den Grenztruppen, Wachregiment des Ministeriums der Staatssicherheit oder bei den kasernierten Einheiten des MDI (Ministerium des Innern) abgeleistet werden.

In den schwimmenden Einheiten der Volksmarine war die Dienstzeit für Matrosen 3 Jahre und für Maate 4 Jahre.

Frauen konnten freiwillig bei der NVA die meisten Laufbahnen einschlagen, Voraussetzung war die körperliche Eignung.

Die NVA hatte für ihre Offiziersanwärter drei Offiziershochschulen. Diese befanden sich in

-       Löbau und Zittau für die Landstreitkräfte

-       Kamenz für die Luftstreitkräfte / Luftverteidigung, später die Ausbildung der Piloten in Bautzen und Rothenberg

-       Stralsund, Schwedenschanze für die Volksmarine

Für Sanitätsoffiziere gab es separate Ausbildungsstätten.

So gab es von 1955 bis 1981 eine eigene Stätte an der Universität Greifswald.

Ab 1981 wurde die Militärmedizinische Akademie Bad Saarow in Betrieb genommen.

Hinzu kamen noch 12 Unteroffiziersschulen, die über das ganze Land verteilt waren.

Neben den drei Säulen der NVA gab es auch die Militärische Aufklärung.

Diese versuchte eng mit dem MfS zusammenzuarbeiten. Oft war es aber so, dass die Stasi mit eigenen Leuten die Militärische Aufklärung infiltrierte um die Kontrolle zu erlangen.

Die Ausrüstung der NVA bestand größten teils aus der damaligen UdSSR, nur wenige Ausrüstungsgegenstände wurden durch die NVA produziert. Oftmals als Lizenznachbau anderer Warschauer Vertragsstaaten.

Die DDR hatte ein produzierendes Gesamtvolumen und wehrtechnischen Gütern, inkl. Dienstleistungen, im letzten Jahr ihres Bestehens, von insgesamt 3,7 Milliarden DDR Mark. Exportiert wurde Wehrtechnik im Wert von1, 4 Milliarden DDR Mark, vor allem in die UdSSR.

Aber auch afrikanische Staaten wurden mit Rüstungsgütern im Wert von 200 Millionen DDR Mark beliefert.

Die DDR führte auch Reparaturen an Jagdflugzeugen anderer Staaten durch. So wurden unter anderem Jagdflugzeuge des Iran und des Iraks, in dessen Konflikt, im VEB Flugzeugwerft Dresden gewartet und instand gesetzt.

Die Nationale Volksarmee verfügte über keine eigenen Nuklearwaffen aber über die Trägersysteme  mit denen sowjetische Atomsprengköpfe hätten eingesetzt werden können.

Die NVA galt als wichtigster und zuverlässigster Partner der Roten Armee und im Warschauer Pakt.

So kam es auch, dass 1968 Teile der NVA für militärische Aktionen gegen den „Prager Frühling“ bereitstanden. Aus politischen und historischen Gründen marschierte die NVA nicht mit in die CSSR  ein, sondern bildete die Nachhut und war für Nachschub zuständig.

Mitte der 60èr Jahre engagierte sich die NVA auch in Afrika und den mittleren Osten. Die Soldaten  waren vor Ort als Berater und Experten für die ausländischen  Regierungen ansprechbar.

Allein in Afrika waren bis 1980 rund 2000 Mitarbeiter der Stasi sowie Offiziere und Soldaten der NVA stationiert.

Natürlich hatte auch die DDR-Führung den Hintergedanken Rohstoffe zu sichern.

Das Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR schloss mit anderen folgenden 16 Staaten und Organisationen Verträge ab um deren Militärs auszubilden:

Afghanistan, Äthiopien, Jemen, Kambodscha, VR Kongo, Kuba, Laos, Lybien, Mosambik, Nicaragua, Nordkorea, PLO, Tansania, Guinea, Syrien und Vietnam.

Hier bildete die NVA mehrere tausend Soldaten und Sicherheitskräfte aus.

Bis zur friedlichen Auflösung der NVA 1990 hatten die Waffengattungen folgende Farben:

-       weiß                                          Infanterie

-       ziegelrot                                 Artillerie

-       rosa                                         Panzer

-       gelb                                         Nachrichten

-       dunkelgrün                            Rückwärtige Dienste

-       schwarz                                  Pioniertechnische Gruppen

-       hellblau                                  Luftstreitkräfte

-       grau                                        Luftverteidigung

-       orange                                    Fallschirmjäger

-       hellgrün                                 Grenztruppe

-       kornblumenblau        -           Volksmarine



Uniform Grenztruppe            Uniform Volksmarine         Kampfanzug Einstrich/Keinstrich



Deutsche Volkspolizei = DVP
Im Volksmund auch VOPO genannt

Bereits 1945 wurde die Deutsche Volkspolizei in der Besatzungszone der Sowjetunion als Polizei der Länder gegründet.

Nach der Abschaffung wurde die Organisation vereinheitlicht.

Ab 1952 wurde der Abschnittsbevollmächtigte (ABV) in den Städten und Gemeinden eingeführt. ABV´s waren zu Fuß unterwegs und für alle ansprechbar. Keiner kannte seinen Abschnitt und die Menschen, die dort lebten, so gut wie der Abschnittsbevollmächtigte. Eine wichtige Aufgabe war das kontrollieren der Hausbücher, die jeder Hausmeister führen musste. Hier wurden alle wichtigen Dinge dokumentiert. So musste z. b. jeder Besuch, der länger blieb, gemeldet und ins Hausbuch eingetragen werden.

Die Volkspolizei unterstand  dem Minister des Innern der DDR (MDI).

Ab 1963 war der Innenminister auch gleichzeitig Chef der Deutschen Volkspolizei.

Die dem 1. Stellvertreter des Minister des Innern unterstellten Dienstzweige und Organe der Volkspolizei bestanden aus den Dienstzweigen:

-       Schutzpolizei

-       Verkehrspolizei

-       Wasserschutzpolizei

-       Kriminalpolizei

-       Transportpolizei ( Zuständig für Bahnhöfe und Anlagen der Deutschen Reichsbahn.              Wie die Bundespolizei heute.)

Die Volkspolizei war aber auch für das Pass- und Meldeverfahren zuständig. So konnte man sich bei der Polizei ummelden oder Anträge auf Reisen ins befreundete Ausland stellen und neue Pässe beantragen.

 Die Volkspolizei war aber genauso wie die Stasi in der Lage über jeden Bürger Informationen zu erhalten. Dies geschah über eine zentrale Datenbank und es genügte in aller Regel die Personenkennzahl.

Die " Kasernierten Einheiten des MDI" bestanden aus 21 VP-Bereitschaften, 7 Kompanien der Transportpolizei (ab 1980), der 9.VP-Kompanie (Anti-Terror-Einheit, ab 01.12.1980), der 10 VP-Kompanie, der "Dienststelle der DVP Blumberg" in Freudenberg und der Nachrichten-Bereitschaft.                                                                                                                                                                Die 10. Kompanie hatte die Stärke einer Bereitschaft (Bataillon) und bestand aus Verpflegungs-, Transport- und Straßenbau- und Stellungsbau-Zügen (letztere wie NVA Pionierzüge). Der "Dienststelle Blumberg" war unter anderem eine  VP_Bereitschaft (22.) mit der Bezeichnung "Sicherungseinheit" unterstellt.

Die Bereitschaften waren mot.Schützen Bataillone. Sie hatten im Bestand 16 Schützenpanzerwagen, Flak, Granatwerfer, 8 rückstoßfreie Panzerabwehrgeschütze, automatische 30-mm-Granatwerfer, Stellungsbautechnik und 2 Wasserwerfer. Die Kommandeure und seine Stellvertreter waren grundsätzlich Absolventen der Militärakademie der NVA (ausgebildet zum Divisionskommandeur), ohne je Angehöriger der NVA gewesen zu sein.

Die Angehörigen der "Kasernierten Einheiten des MDI" erhielten Wehrsold in gleicher Höhe wie die NVA. Die Angehörigen der Dienstzweige der Volkspolizei erhielten als Angestellte Gehalt in geringerer Höhe

So gab es Ränge von Unterleutnant der VP bis zum Generaloberst. Wobei ein Kommissar den Rang Leutnant  und der Oberkommissar den Rang Oberleutnant innehatte. Hierzu ist zu erwähnen, daß es Kommissare nur bis zu Auflösung des "Kommandos Bereitschaftspolizei" im MDI am 30.06.1962 gab.

Den höchsten Dienstgrad der Volkspolizei hatte der Minister des Inneren und Chef der Deutschen Volkspolizei, er war im Range eines Armeegenerals.

Die Volkspolizei verfügte über 12 Ausbildungsstätten. Seit 1962 gab es eine Hochschule zur Ausbildung eigener Offiziere in Berlin-Biesdorf.

Der Hauptabteilung Bereitschaften war die Offiziershochschule-Bereitschaften- in Dresden unterstellt (OHS ab 1971) und verfügte über keine Fachschule.

Offiziere der Spezialtruppen und Dienste, wie Luftabwehr, Pionierwesen, rückwertige Sicherstellung und KGB-Schutz sowie Truppenärzte wurden in der NVA ausgebildet. Ihr Vorläufer war ab Oktober 1962 die "Zentrale Lehranstalt des MDI  zur Ausbildung militärischer Kader" ZLA (M) in Dresden.

Daneben gab es mehrere Fachschulen über das ganze Land verteilt.

Bis zur Wiedervereinigung und der Auflösung der Deutschen Volkspolizei gab es rund 80.000 hauptamtliche Polizisten und ca. 177.500 Freiwillige Helfer der Volkspolizei.



Ministerium für Staatssicherheit = Stasi

Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz MfS oder auch Stasi genannt, wurde am 08.02.1950 gegründet.

 Die Stasi wurde nach dem Vorbild in der UdSSR.

Bereits 1946 hatte die SED einen Parteiennachrichtendienst aufgebaut der unter anderen die Hauptverwaltung zum Schutze der Volkswirtschaft beinhaltete. Schon in diesen Anfängen war die Hauptverwaltung mit geheimdienstlichen Aufgaben betraut.

 Die Stasi hatte 14 Bezirksverwaltungen und war so überall vor Ort.

Das MfS mischte sich überall ein. So wurden nicht nur Spionage- und Abwehrdienste erledigt, sondern auch die eigene Bevölkerung bespitzelt und ggf. verfolgt.

 Bis zur Wende hatte die Stasi ca. 91.000 hauptamtliche- und weit mehr als 100.000 inoffizielle Mitarbeiter (IM), die oft in der Nachbarschaft oder im Arbeitsumfeld eingesetzt waren. Es gab auch Fälle, in denen eigene Familienangehörige für die Stasi tätig waren und so Verwandte ins Gefängnis brachten.

Die Stasi kümmerte sich aber auch um die Todesfälle an der innerdeutschen Grenze, so verschleierte das MfS  die Art und den Ort des Todes.

Die Stasi mischte sich auch in die politischen Geschicke verschiedener Länder ein. So bildete sie RAF-Terroristen im Umgang mit Schusswaffen und Sprengstoff aus und gewährten Ihnen eine neue Zukunft, inkl. neuer Identität, in der DDR.

Auslandsagenten oder auch Kundschafter genannt, hatte das Ministerium für Staatssicherheit oft in der Bundesrepublik Deutschland installiert aber auch in anderen westlichen Ländern oder hohen Positionen im Nordatlantik Pakt (NATO).

Viele Stasispitzel infiltrierten wichtige "Schaltzentralen":

  • Günter Guillaume                       Agent  bei Bundeskanzler Willy Brandt

  • Gabriel Gast                     -            Regierungsdirektorin im Bundesnachrichten Dienst

  • Joachim Krase                  -            Militärischer Abschirmdienst

  • Lutz Kuche                       -            CDU

  • Johanna Olbrich               -           Agentin bei Martin Bangemann (FDP)

  • Lilly Pöttrich                    -           Auswärtiges Amt

  • Klaus von Raussendorff   -           Auswärtiges Amt

  • Rainer Rupp                      -           NATO

  • Alfred Spruhler                 -           BND

  • Karl Wienand                    -           SPD

  • Karl-Heinz Kurras             -           West-Berliner Polizei, erschoss den Hannoveraner    Benno Ohnesorg

  • Holger Oherens                 -            Fernseh- und Zeitungsjournalist, HR und Bildzeitung


Natürlich bildete das MfS ihre eigenen Leute aus. Für diesen Zweck standen die Hochschulen des Ministeriums für Staatssicherheit zur Verfügung. Bevor sie jemanden rekrutierte, wurde die Zielperson zwei Jahre überprüft um ihr ideologisches Verhalten und Denken zu kontrollieren. Aus diesem Grunde standen Kinder von MfS Mitarbeitern an erster Stelle der zu Rekrutierenden.

Die Stasi teilte sich in 37 verschiedene Abteilungen, die nur durch den Minister für Staatssicherheit Erich Mielke geführt wurde. Er hatte in der Zentrale des Ministeriums in Berlin-Lichtenberg seine Privaträume  angeschlossen, damit konnte er schnell und zu jeder Tageszeit auf die verschiedenen Situationen reagieren.

Die Stasi war lediglich dem Zentralkomitee der SED unterstellt wobei Mielke, der seit 1957 im Amt war, und sein Stellvertreter Staatssekretäre waren; also das MfS und das Handeln verteidigen konnten.

Selbst an der innerdeutschen Grenze waren Teile der Grenztruppen Mitarbeiter der Stasi. Es war immer ein Stasioffizier bei den Entscheidungen vor Ort.

Die Stasi hatte in allen Bezirken Untersuchungsgefängnisse; aber auch in zahlreichen Strafanstalten war die Stasi federführend:

·       Bützow, Brandenburg (Zuchthaus Brandenburg)

·       Berlin Hohenschönhausen

·       Halle (Roter Ochse)

·       Cottbus

·       Bautzen I (gelbes Elend)

·       Chemnitz

·       Hoheneck

 

Als eigenes Stasi-Gefängnis wurde Bautzen II geführt. Wer dort gelandet war, hatte mit Folter und zahlreichen Verhören zu tun.

In Bautzen II waren auch zahlreiche Ausländische Bürger inhaftiert. Viele Repressalien werden von dort berichtet.

Bei einem Besuch in der heutigen Gedenkstätte lässt sich erahnen was hier die Menschen mitmachen mussten.

Die Bevölkerung erfand viele Namen ohne gleich aufzufallen. So wurde die Stasi auch Horch und Guck genannt oder der Palast der Republik Erichs Lampenladen.

Während der friedlichen Demonstrationen in der DDR und den Rücktritt Honeckers kam es zu einer Neuwahl des Ministerrates durch die Volkskammer. Dabei wurde aus dem Ministerium für Staatssicherheit das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) welches bis zum 12.01.1990 bestand.